Hilfe für Helene
16. Mai 2010
Liebe Besucher, liebe Gästebuch-Schreiberinnen
Nach einer langen online-Pause melde ich mich zurück mit einer Überraschung, auf die ihr schon lange gewartet habt (und Jana hatte ja sogar schon den link entdeckt :-)). Wir sind nun mit unserer Vereins-website online, es war viel Arbeit, und ihr findet uns hier:
Wir freuen uns auf euren Besuch!
Liebe Familie von Waaden: Ich hoffe es geht euch und Sharina etwas besser und würde mich freuen, wieder von euch zu lesen. Ich denke sehr oft an unsere gemeinsamte Zeit auf der Kinderstation und daran wie Sharina aufgeregt "Bebeee" rief, wenn sie Helenchen sah...
Liebe Ursula: Ich bin sehr froh, dass keine Zellen mehr zu finden sind und wünsche mir sehr, dass der kleine Luis weiterhin so tapfer an eurer Seite kämpft. Ich werde dir bei Gelegenheit eine email schicken....
Liebe Alle: Vielen Dank, dass ihr am Muttertag (und auch am Vatertag!) an uns gedacht habt. Ich habe in der Nacht vom Muttertag einen wunderschönen Traum von Helenchen gehabt und glaube, dass es ihre Art war, mir zu sagen, dass es ihr gut geht. Es hat mich für ein wenig Zeit ein wenig ruhiger gemacht....
Ich sende euch für jetzt liebe Grüsse (auch von Papa Johannes). Auch unsere neue Seite hat ein Gästebuch :-).
Eure Marisa
25. März 2010
Hallo ihr Lieben
Bevor wir morgen in Urlaub fahren, möchte ich mich noch einmal kurz melden.
Wir haben Kinderleben am Samstag bei ihrer Aktion besucht und uns sehr gefreut, mit Ester Peter ein wenig zu sprechen. Wir werden uns ja schon bald (Mitte April) wieder sehen und über unsere Kooperation sprechen. Mit unserem Verein möchten wir KinderLeben insbesondere in ihrem musiktherapeutischen Bereich unterstützen und hatten da bereits vor einigen Wochen unsere ersten Gespräche. Und wer weiss was wir sonst noch so gemeinsam auf die Beine stellen werden!
Wir warten übrigens immer noch auf Antwort vom Vereinsregister, das sehr überlastet ist, wie es heisst…nun ja, ich hatte ja eigentlich gehofft, dieses ganze Prozedere vor unserem Urlaub durchzuhaben, aber so dauert es eben noch…
Die Hochzeit im Anschluss war sehr schön. So eine grosse Hochzeit steht und fällt ja immer mit dem Freundeskreis und die Freunde der beiden haben wirklich tolle Aktionen auf die Beine gestellt. Den Party-Teil haben wir dann allerdings ausgelassen, das ging einfach nicht… Die Kollekte der Trauung war für Helenchens Verein und so sind an dem Abend rund 300,- Euro zusammen gekommen, worüber wir uns natürlich sehr gefreut haben!
Und wie es der "Zufall" so will, sass ich doch glatt neben einem Musiktherapeuten :-), den ich ordentlich über seine Arbeit und Forschung (er ist auch Arzt - eine interessante Kombination - und forscht in diesem Bereich) ausquetschen konnte.
Nun war Helenchens Patentante mit ihrem Sohn Bruno (mein Patensohn) für zwei Nächte zu Besuch. Es war ganz toll, die beiden hier zu haben, hat mir aber gleichzeitig sehr zugesetzt. Ich hatte es völlig unterschätzt, ein kleines Kind (drei monate jünger als Helene) hier zu Besuch zu haben, das schon morgens glucksend durch die Wohnung krabbelt und alle kinderunsicheren Schränke inspiziert. So sehr ich mich gefreut habe, die beiden bei mir zu haben, so sehr hat es mir irgendwie doch auch zugesetzt und ich hab mir immer nur vorgestellt wie Helenchen hier die Schränke unsicher gemacht hätte. Ich hätte am liebsten die ganze Zeit nur geweint. Sie fehlt mir so sehr.
Liebe Yvonne, deine Worte über den halben Mond haben mich unendlich berührt wie auch die wunderschöne Geschichte über Oma Hedwig. Auch ich habe gestern den Mond wahrgenommen. In einem Moment, in dem ich gerade sehr traurig aus dem Auto stieg und innerlich mit Helenchen sprach. Und da sah ich ein einen kleinen fast farbigen Kreis, beinahe ein Regenbogen um den Mond herum. Einen Mondregenbogen hatte ich noch nie in meinem Leben gesehen, bis wir vor einigen Wochen am späten Abend Pandi, den alten Hund von Helenchens Tante, begruben. Und nun gestern zum zweiten Mal als ich gerade so tief in meinen traurigen Gedanken war. Da hatte ich sehr ähnliche Gedanken wie du sie formulierst und fühlte mich Helenchen ein wenig näher. Ich war mir auf einmal wieder sicher, dass sie irgendwo hier bei mir ist…. Ich sie einfach nicht sehen kann, wie den Rest des Mondes.
Es fällt mir leider manchmal schwer, diesen Glauben wirklich präsent zu haben. In letzter Zeit überwiegt sehr oft die Traurigkeit und Sehnsucht. Ich habe diese andere Welt gespürt und einige wunderbare Zeichen von Helenchen bekommen, die kein Zufall waren (so wie es dir erging mit dem kleinen Büchlein). Es gibt Tage, an denen ich diese Sicherheit einfach in mir spüre und dann gibt es Tage, an denen es mir schwer fällt zu akzeptieren, dass diese Welt so unerreichbar ist.
Liebe Sonja, ich drücke fest die Daumen, dass Juna diese Darmspiegelung gut übersteht, so etwas unangenehmens! Ich kann deine grosse Sorge sehr sehr gut verstehen und hoffe, dass sie zerstreut wird.
Liebe Ursula, es hat mich sehr getroffen, deinen Eintrag zu lesen und ich weiss überhaupt nicht wo ich anfangen soll… ich möchte so viel sagen und gleichzeitig kann ich gar nichts sagen. Ich weiss einfach was du durchmachst. Gib die Hoffnung nicht auf. Ich habe die Hoffnung niemals aufgegeben und bin sehr sehr froh, dass ich so optimistisch und fröhlich mit Helenchen den Alltag geniessen und viel bewusster erleben konnte. Dies sind die kostbaren Erinnerungen, die uns bleiben. Ich würde mich freuen, weiterhin von dir zu lesen und wünsche euch wunderwunderschöne Tage zu Hause!
Liebe Grüsse
Marisa
16. März 2010
Hallo ihr Lieben
Die Idee eines Gästebuch-Treffens finde ich sehr schön! Wir werden allerdings am Samstag nur sehr kurz vor Ort sein können, weil wir auf einer Hochzeit einer meiner Freundinnen eingeladen sind. Ich würde daher vorschlagen, dass wir diese wunderbare Idee von Jana im Hinterkopf behalten und im Sommer oder Herbst ein Treffen im Rahmen unseres Vereins organisieren, bei dem sich alle, die Zeit und Lust haben, kennen lernen können. Was haltet ihr davon? Wir könnten uns dann etwas mehr Zeit nehmen und vielleicht auch das ein oder andere organisieren.
Liebe Jana, keine Angst, ich werde einen Weg finden, um mich ein wenig mitzuteilen. Im Moment fällt es mir einfach sehr schwer. Unser Leben schreitet traurig voran. Ich habe einige Hobbies aufleben lassen und werde sehen wolang mich das Leben so führen wird. Manchmal, wenn es mir gelingt, ein wenig Freude zu verspüren an einem Tag, fühle ich mich unendlich schlecht, weil all das was ich jetzt mache Dinge sind, die ich mit Helenchen nicht hätte tun können, weil einfach die Zeit nicht dagewesen wäre. Helenes Patentante Angela sagte dazu heute einen sehr schlauen Satz: Du machst all das nicht, weil Helene tot ist. Sondern du machst es, weil sie da war! Und immer noch ist!
Und das stimmt. Helene hat mich sehr verändert und all die neuen Wege, die ich im Moment gehe, gehe ich, weil ich die Welt und das Leben durch Helene mit anderen Augen betrachte.
Die Organisation rund um den Verein beschlagnahmt mich sehr, ich hätte nie gedacht, dass so viele Dinge zu tun sind und sie so viel Zeit in Anspruch nehmen. Es macht uns sehr viel Spass und ich freue mich schon so sehr darauf, hier bald den neuen link zu posten!
In den nächsten Tagen gehen Visitenkarten und dann das Briefpapier in Druck. Und wir arbeiten am Mitgliedsantrag. Unser erstes Projekt ist im Anlaufen und so ist viel zu tun! Das werdet ihr dann bald alles auf der neuen Seite nachlesen können.
Und wir machen uns natürlich auch Gedanken wie ihr mitmachen könnt, der ein oder andere kam da schon mit einer Idee auf uns zu, auch dazu werden wir dann mehr auf der Seite schreiben.
So, und nun eine kleine "sneak peek" auf unser Logo (manch einem ist es viiiielleicht schon im web begegnet, obwohl unsere Seit noch nicht ganz fertig ist :-)). Ihr dürft noch ein wenig gespannt sein.

Liebe Grüsse
Marisa
11. März 2010
Ihr Lieben
Wirklich schon wieder so viel Zeit vergangen? Ich lese beinahe jeden Tag hier und hätte eigentlich so viel zu sagen und doch schreibe ich viel zu selten. Irgendwie ist es immer so vieles was ich sagen möchte, dass ich gar nicht erst anfange zu schreiben, weil ich gar nicht weiss wo ich anfangen sollte… Und irgendwie weiss ich mit dem Format auch nichts so richtig anzufangen. Es ist kein Blog, es ist kein Forum, im Gästebuch möchte ich auch nicht schreiben, denn ich bin ja schliesslich kein Gast :-). Irgendwie bin ich am überlegen...
Also breche ich mein Schweigen heute einfach einmal, indem ich euch auf eine Aktion des Kindertageshospizes "Kinderleben" in Hamburg aufmerksam mache.
Am Samstag, den 20. März 2010 erinnert KinderLeben mit der Aktion "EinsFünf" an 1'500 Kinder, die im verganenen Jahr an Krebs und anderen unheilbaren Erkrankungen gestorben sind.
Wer dabei sein möchte, findet KinderLeben am Samstag, den 20. März von 9.30 bis 16 Uhr am Gerhard-Hauptmann-Platz in Hamburg (bei Karstadt).
Liebe Sonja, wir wünschen deiner kleinen Juna alles alles Gute und denken an die kleine Maus!
Liebe Grüsse
Marisa
PS: Und wir warten auf die Eintragung beim Vereinsregister… :-).
23. Februar 2010
Ihr Lieben
Heute möchte ich euch ein wenig mehr über den Verein erzählen. Nachdem unsere Satzung nun vom Finanzamt formlos geprüft wurde, haben wir vergangene Woche unsere Gründungssitzung mit 13 Gründungsmitgliedern abgehalten und nun die entsprechenden Unterlagen zum Notar gebracht. Nun warten wir auf die Eintragung im Vereinsregister und die endgültige Anerkennung der Gemeinnützigkeit durch das Finanzamt.
Unsere neue website ist im Aufbau, ihr müsst euch noch etwas gedulden, denn die Firma, die uns unseren Web-Auftritt gratis programmiert, hatte zunächst einen Grossauftrag abzuschliessen.
Aber jetzt lasst mich erzählen wo wir stehen und was wir machen.
Als es im Januar letzten Jahres darum ging, eine Aktion durchzuführen, um Helenes Chance auf den bestmöglichen Spender mit all unserer Kraft zu maximieren, haben wir nicht im Traum daran gedacht, die grössten Aktionen in der DKMS-Geschichte auf die Beine zu stellen und insgesamt weit über 25'000 neue Registrierungen zu erreichen. Inzwischen wurden knapp 40 Knochenmarkspenden aus unseren Aktionen durchgeführt.
Helenchen hatte vielleicht tatsächlich so etwas wie den Schlüssel zu den Herzen der Menschen, wie Yvonne vor kurzem schrieb (was mich sehr berührte). Und es waren unsere Familie, Freunde und Arbeitskollegen, die diese unglaublichen Aktionen in Berlin, Hamburg, Vallendar und in ganz Deutschland auf die Beine gestellt haben. Und es ward ihr, die gekommen sind und Teil dieses grossen Netzwerkes geworden sind.
Von diesem unglaublichen Netzwerk an hilfsbereiten Menschen, das da sichtbar geworden ist, haben wir zuvor nichts gewusst und es hat uns eine enorme Kraft und starken Rückhalt gegeben, der uns in der schweren Zeit getragen hat.
Und noch heute haben wir hier auf dieser Seite täglich um die 400 Besucher… !
Wir haben bereits im Dezember mit unseren Freunden zusammen gesessen und es ist uns allen schnell klar geworden, dass wir diese Kraft, die da sichtbar geworden ist, nicht einfach verpuffen lassen möchten, sondern dass wir dieses Netzwerk weiterhin für gute Zwecke nutzen möchten. Viele dieser Menschen wollen nämlich gern weiterhin Gutes tun, nur wissen die meisten nicht so recht wie und wo…
Marion und Anika, es ist natürlich auch in unserem Umkreis so, dass es Menschen gibt, deren Gedanken sehr um sich, ihre manchmal in der Aussensicht wirklich sehr klein anmutenden Problemchen und ihren Alltag kreisen. Ich kann das bis zu einem gewissen Grad manchmal aber auch verstehen, auch wenn es meiner Lebenseinstellung nicht entspricht. Ihr dürft daran nicht verzweifeln, denn es gibt eben auch diejenigen, die gern helfen und oft gar nicht wissen wie und das wurde hier oft im Gästebuch sehr schön deutlich.
Wir möchten diese, unsere und eure Kraft, die Helenchen sichtbar gemacht hat, anderen Kindern schenken. Kindern, die entweder durch eine ebenso schwere Krankheit gehen müssen, oder aber deren Eltern vielleicht allein nicht in der Lage sind, ihnen Kraft zu schenken. Wir möchten keinen Krebshilfeverein gründen, davon gibt es einige, denen wir bereits gespendet haben und es nach wie vor tun.
Wir möchten mit unserem Verein unser Netzwerk (uns und euch J) mobilisieren, um Kindern oder Familien in schweren Situationen zu helfen und wir möchten uns dabei spezifisch zunächst einmal kleinere Projekte suchen, die für uns einen klaren Bezug zu Helenchen haben.
Eines unserer Themen, mit denen wir uns derzeit befassen, ist Musiktherapie für Kinder. Vermutlich weiss Gerd, der Musiktherapeut auf unserer Station gar nicht, wie sehr er unseren Alltag geprägt hat, indem er uns half, Helenchens Vorliebe für Musik zu entdecken und zu fördern - angefangen von selbstbesungenen CDs mit Gitarrenbegleitung über diverse Kinderlieder-CDs (Stichwort „Du schaffst das schon“) bis hin zu diversen Rasseln, Trommeln und Klang-Instrumenten.
Sobald Musik lief, war Helene fasziniert von den Klängen und vergass die vielen Medikamente, von denen ihr sicherlich oft übel war. Wir haben die beruhigende Wirkung von Musik ganz besonders auch in der KMT-Zeit selbst erfahren und so waren all die diversen Instrumente und CDs für uns sehr wichtig.
Neben der Gründung des Vereins, mit der wir fast fertig sind, befassen wir uns also derzeit mit verschiedenen Institutionen, denen wir bei der Einrichtung musiktherapeutischer Räume behilflich sein können, um den betreuten Kindern das Leben mit ihrer Krankheit oder in der entsprechenden Einrichtung ein wenig freudiger zu gestalten. Finanzieren werden wir die Projekte über Mitgliedsbeiträge (jeder legt seinen Beitrag selber fest, wobei er mindestens 5 Euro im Monat betragen soll) und Spendenaktionen (wie beispielsweise die schöne Idee von Marion, auch wenn die Idee bei deinen Mami-Freundinnen noch nicht so gut ankam – wer weiss, vielleicht lassen sie sich bald von konkreten Projekten überzeugen). Natürlich gehen 100% der gesammelten Gelder in die entsprechenden Projekte. Etwaige Vereins-Kosten werden wir selber tragen oder mithilfe von Sponsoren decken.
Gerade am Wochenende waren wir Gründungsmitglieder bei einem Musiktherapeuten eingeladen, der uns verschiedene Instrumente wie beispielsweise eine Klangwiege und riesige begleitende Gongs zur begleitenden Therapie (auch bei Krebs) zeigte und uns ihre Wirkungsweisen erklärte, bzw. wir uns selber „beklingen“ lassen durften. Wusstet ihr, dass es sogar Klangwiegen für Frühgeborene in Brutkästen gibt? Und dass die beruhigende Wirkung schon bei den allerkleinsten direkt anhand der Körperfunktionen nachweisbar ist?
Neben schwer kranken Kindern mit ihren liebevollen Familien in Kinderhospizen liegen uns auch Kleinkinder ganz besonders sehr am Herzen, denen es aus welchen Gründen auch immer an Liebe mangelt. Sei es, dass ihren Eltern Kraft, Rückhalt und Unterstützung fehlt. Oder sei es, dass diese Kinder einfach nicht gewünscht sind auf dieser Welt.
Wir haben hier einen ersten Kontakt mit einem Kleinkindkinderheim, welches sich im Aufbau befindet. Darüber werde ich zu gegebener Zeit später mehr berichten.
Wir haben nun einige Termine in verschiedenen Institutionen und werden schauen, wo wir zunächst einmal kleine Kooperationen anstreben möchten.
Spätestens, wenn die website steht und der Verein eingetragen ist, werde ich wieder berichten. Wir hoffen dann auf viele Mitglieder, Ideen und Anregungen.
Und bis die neue website steht (auf der wir natürlich auch wieder ein Gästebuch einrichten werden :-)), hoffe ich weiterhin auf euren Besuch hier (lesend oder schreibend oder beides).
Ich werde auch langsam versuchen, ein wenig regelmässiger zu schreiben, denn ich freue mich über die kleine sichtbare und grosse unsichtbare Gemeinschaft, die hier entstanden ist.
Liebe Grüsse auch von Johannes
Eure Marisa
PS: Beim nächsten Mal möchte ich auf einiges, was ihr zu meinem letzten Beitrag geschrieben habt, eingehen…. Für heute an dieser Stelle noch einen ganz lieben Gruss an Doloris. Ich bin froh, dass du anhand des Briefes spüren konntest, wie sehr dein Vater doch an dich gedacht hat…
29. Januar 2010 - Gedanken und Schicksal
Diese Gedanken, die du beschreibst, liebe Yvonne (und auch Marion), mache ich mir unentwegt. Inwiefern können Gedanken und Ängste unser Schicksal beeinflussen? Haben wir nicht fest genug daran geglaubt, dass Helenchen gesund wird? Hätte ich noch stärker daran glauben müssen? Nein… ich hätte nicht mehr wünschen können als ich es tat. Die Angst sass unendlich tief und war immer präsent, aber ich habe fest daran geglaubt, dass sie es schafft. Immer und bis zum letzten Tag, auf den ich so völlig unvorbereitet war. Ich habe mir nicht im Entferntesten vorstellen können, es zu überleben, sollten wir sie verlieren. Und daher kam es einfach nicht infrage! Und doch ist es passiert.
All diese Bücher über Wunschbestellungen ans Universum, und wie sie alle heissen - was ist denn bloss dran an diesen Theorien? Ja, vermutlich fällt, wer ängstlich und unsicher über die zugefrorene Alster läuft, eher hin. Und wer mit stolz erfüllter Brust von sich und seinen Zukunftsvisionen überzeugt ist, erreicht seinen einen Traum wahrscheinlich auch eher, als derjenige, welcher vor lauter Ideen gar nicht genau weiss wohin er eigentlich will und wer er eigentlich ist.
Doch ob Wünsche und Ängste schwere Krankheiten beeinflussen? Ob wir uns wirklich unsere "eigene Realität" schaffen? So einfach ist das dann wohl auch nicht. Dazu ist die Welt zu komplex….
… das denke ich mir und frage mich dann doch wieder: Was habe ich in der Schwangerschaft falsches gedacht oder gemacht?
Euch ist euer Glück jetzt "noch" bewusster geworden und damit wird natürlich auch die Angst grösser, es verlieren zu können. Ich denke das kann in einem gesunden Mass nur positiv sein, denn es erinnert euch daran, den Moment zu geniessen und dankbar für die vielen kleinen Dinge im Leben zu sein. Wir können nicht mehr tun als unserem Leben zu vertrauen und jeden Moment zu geniessen, doch oft vergessen wir das und leben irgendwo in unseren Zukunftsplänen (und mit dem Alter dann irgendwann in der Vergangenheit). Den Moment zu geniessen, ist nicht gerade einfach. Ich habe es erst durch Helene gelernt und es ist eines der Dinge, für die ich jetzt unendlich dankbar bin. Wir haben jeden Moment bewusst gelebt. Das kann man niemandem beibringen, man kann es nicht erklären. Man muss es selbst spüren und erkennen.
Für mich stellt sich im Moment die Frage wie ich meinem Leben je wieder vertrauen kann. Ich will es für all das bestrafen. Stehe vor dieser unendlich schwierigen Aufgabe, einen Weg zu finden, die geliebte Vergangenheit mit in die Zukunft zu nehmen, die ich mir anders vorgestellt habe und vor der ich mich mit allen Mitteln sträube, weil ich die Zeit doch einfach nur zurückdrehen möchte. Vor kurzem las ich einen Artikel über Petra Schürmann. Viele Jahre vor ihrem eigenen Tod hat sie ihre Tochter verloren und kam über deren Tod nie hinweg. Mit den Jahren entwickelte sie in ihrer Verzweiflung eine schwere Sprachstörung. Ich las darüber und dachte mir, richtig, man kann das Leben einfach nicht mehr leben… und ich will es auch nicht. Es hilft mir nichts, wenn Aussenstehende mir sagen "Helene hätte dies oder jenes gewollt". In manchen Momenten möchte ich der Welt eben einfach zeigen, dass ich über Helenes Tod nicht hinweg kommen kann.
Und dann wieder spüre ich tief in mir all das was Helene bewegt hat und wie sie mich verändert hat. Und ich möchte es ihr zuliebe weitertragen, mein Leben neu gestalten. Nicht ohne sie, sondern mit ihr im Herzen. Ich spüre diese starke Verbindung zwischen uns und weiss Helenchen ist da, ich kann sie nur nicht mehr sehen. Wenn ich es schaffe, dieses Gefühl wahrzunehmen, gibt es mir eine unglaubliche Kraft und hilft mir neue Perspektiven zu entwickeln.
Und so vergehen die Tage, in denen ich mein Leben neu ordne und ich versuche meine kleine Tochter mitzunehmen, ohne sie im Arm tragen zu dürfen.
Ganz liebe Grüsse an euch alle
Marisa
PS: Wir haben ein ganz tolles Gründungsteam für unseren Verein und beschäftigen uns im Moment mit verschiedenen kleinen möglichen Projekten in Hamburg und Berlin. Ihr müsst euch aber noch ein wenig gedulden, bevor es los geht. Unsere Satzung liegt beim Finanzamt, die Gründung läuft und die website ist im Aufbau…. Wir freuen uns sehr, dass ihr egal in welcher Form dabei sein werdet!
08. Januar 2010
Liebe Freunde und Besucher
Wir möchten euch wieder ein paar Zeilen senden und euch allen ein gesundes Jahr 2010 wünschen. Weihnachten und Neujahr war für uns eine sehr schwere Zeit und wir sind nun ehrlich gesagt ein wenig froh, das "geschafft" zu haben.
Wie es uns geht? Auf und ab. Es wird nicht "besser" - es wird anders... Unsere Welt dreht sich halt irgendwie mit. Wir lernen die Sehnsucht nach Helenchen in den Alltag zu integrieren und die Entfernung zwischen ihrer und unserer Welt zu akzeptieren. Mal funktioniert das einigermassen, mal nicht. Wir beschäftigen uns sehr viel mit unserem Leben mit Helene. Ich schreibe viel auf, halte meine Erinnerungen fest und versuche meinen Sinn neu zu definieren. Es gibt Tage, an denen die Erinnerungen uns ein Lächeln auf das Gesicht zaubern und an denen wir für einen Moment sogar einfach glücklich sein können, diese Zeit mit Helene erlebt zu haben. Und dann gibt es Tage, an denen jede Erinnerung schmerzt und an denen ich keinen Schritt vor die Tür mache. Ich denke das nächste Jahr wird uns einige neue Wege aufzeigen und wir lassen einfach alles auf uns zukommen. Wir haben eine wunderbare Familie, tolle Freunde und wir haben zum Glück uns beide.
Helene hat eine unglaubliche Kraft in uns und unserem Umfeld sichtbar gemacht. Manchmal fragen wir uns wie genau das alles geschehen ist? Mir sagte jemand vor einigen Wochen: "Mir ist das alles einfach zu gross, um es verstehen zu wollen. Es ist ungefähr so als wäre ein kleines Marsmännchen auf der Erde gelandet, hätte all das bewegt, und wäre dann wieder abgereist". Mich haben diese Worte sehr berührt.
Je häufiger wir so etwas hören, oder eure zahlreichen Gästebucheinträge lesen, desto klarer wird uns, dass wir die Kraft, die Helene in unserem Umfeld mobilisiert hat, weiterleben lassen möchten. In ihrem scheinbar kurzen Leben hat Helenchen so viele Menschen berührt und Spuren in unzähligen Herzen hinterlassen. Wir haben von diesem Netzwerk an Kraft und Verbundenheit, dass sich da plötzlich für uns auftat zuvor nicht gewusst! Übrigens konnten durch Helene bis zum heutigen Zeitpunkt 28 Menschen transplantiert werden.
Wir möchten dieser bei unseren Aktionen sichtbar gewordene Hilfsbereitschaft eine dauerhafte Plattform geben. Wir haben uns daher mit einigen Freunden aus Berlin und Hamburg zusammengeschlossen, um im Namen von Helene einen Verein zu gründen. Wir möchten ihren Frohsinn, ihre Stärke und ihr liebevolles Vertrauen anderen hilfsbedürftigen Kindern weitergeben.
Wir werden diese Seite hier daher vorerst nicht schliessen, sondern euch in den kommenden Wochen Informationen zukommen lassen und dann zu gegebener Zeit auf eine andere Homepage umleiten.
Es ist für uns wunderschön, zu lesen und zu wissen wieviele "fremde" Menschen noch immer an Helenchen denken. Daher wollen wir Euch an unserem weiteren Weg teilhaben lassen.
Liebe Grüsse
Marisa und Johannes mit Engelchen Helene
PS: Wir können hier nicht auf alle einzelnen Beiträge eingehen. Wir möchten euch aber wissen lassen, dass uns auch eure Schicksale berühren und wir all denjenigen, die vor schweren Situationen stehen, dafür alles Gute wünschen. Und wir wünschen ganz besonders Oma Karin viel Kraft während ihrer weiteren Behandlung.
11. November 2009
Liebe Freunde und Besucher
So viele gute und liebevolle Gedanken sendet ihr uns noch immer über das Gästebuch oder per Post. Wir haben uns lange nicht gemeldet und auf viele Briefe noch immer nicht geantwortet, auf die wir gern antworten möchten. Und nun möchten wir euch hier erst einmal ein kleines Zeichen senden.
Manch einer glaubte, nicht schreiben zu dürfen, sich nicht „anmaßen“ zu dürfen, traurig zu sein. Doch wir sind froh über jede Zeile! Froh zu wissen, dass viele Menschen mit uns und auf ihre Art traurig sind!
Es tut gut, dass Menschen mit ähnlichen Schicksalen auf uns zukommen und uns Trost spenden. Aber auch Menschen, die bisher viel Glück im Leben hatten, zeigen uns ihre Anteilnahme und finden passende Worte und Gedanken. Wir sind froh, dass ihr Helene in euer Herz geschlossen habt und euren Alltag von ihr habt berühren lassen oder kleine Momente der Besinnung habt einkehren lassen. Dass ihr Helene in euren Gedanken weiterleben lasst und für immer einen kleinen Platz in euren Herzen für sie reserviert habt ist unser einziger Wusch und das schönste Geschenk.
Helenes erster Geburtstag naht. Wir können noch immer schwer begreifen, dass sie ihn nicht erleben wird. Die Welt dreht sich erbarmungslos weiter, man dreht sich irgendwie mit, doch nichts kann mehr sein wie es war. Trotz ihrer schweren Krankheit kam Helenes Tod sehr plötzlich. Ich rechnete nicht mit ihm, wies jeden Gedanken daran energisch von mir. Bis zu den Momenten auf der Intensivstation, in denen ich spürte, dass wir sie verlieren und verzweifelt versuchte, dagegen „anzudenken“. Wenn ich auch nur daran denke, dass Helene sterben könnte, wird es dann nicht vielleicht nur gerade deshalb wahr? Jeder, der ähnliche Ängste durchlitten hat, kennt diese merkwürdigen Gedanken.
Unsere Gedankenreisen seit Helenes Tod können wir kaum in Worte fassen. Auch wenn da draußen der Alltag einkehrt – in uns ist nichts mehr so wie es mal war. Johannes arbeitet seit einigen Wochen und auch ich versuche seit ein paar Tagen ein wenig Ordnung in mein Büro zu schaffen und zu verstehen wer ich vorher war? Und wer ich nun bin?
Eine liebe Bekannte mit einem ebenfalls sehr schweren Schicksal formulierte dieses Gefühl so treffend, dass ich keine besseren Worte finden kann. Sie schrieb: „Mit dem Tod unserer Kinder ist unser Leben von jetzt auf sofort entzaubert worden. Und diese Entzauberung schwingt in jeder Sekunde unseres Seins in allem, was uns ausmacht, ganz tief in unserem Innersten. Diese Entzauberung schwingt in unseren Herzen gleichermaßen wie in unserem Verstand, sie schwingt im gesamten Körper... Diese tiefe Traurigkeit und Sehnsucht, auch wenn wir lernen, sie in unser weiteres Leben zu integrieren, wird immer da sein. Und wenn ein sensibles Gegenüber in Deine Augen schaut, wird er es in Deinen Augen sehen... Es ist eben niemals mehr so wie es war.“
Viele Tage lang habe ich mich immer und immer wieder gefragt: Warum lebe ich noch? Wie kann es sein, dass ich Helenes Tod über-lebe? Langsam begreife ich, dass es nicht wahr ist. Mein altes Ich hat es nicht überlebt. Ich bin und werde zu einem anderen Menschen, der das Leben anders begreifen lernt….
Ein Teil von uns ist fortgegangen, lebt in einer anderen Welt, deren Tür für uns für lange Zeit verschlossen bleibt. Durchs Schlüsselloch kann ich sie fühlen – diese Welt. Ich weiß nicht was oder wie es dort ist. Doch ich spüre eine sonderbare Gewissheit, dass sie dort ist! Wir stehen mit einem Bein darin, sind über ein unsichtbares festes Band – unsere Liebe zu Helene – damit verbunden.
Die tiefe Traurigkeit und Sehnsucht nach Helene wird niemals vergehen. Ich weiß, auch diese Sehnsucht wird uns irgendwann Raum für Fröhlichkeit geben. Doch sie wird uns unser Leben lang begleiten. Bedingungslos glücklich werden wir nie mehr sein.
Wir ordnen unser Leben neu und suchen. Suchen nach einem neuen Sinn. Helene hat so viele Herzen berührt, wie hat sie das nur geschafft?
Eure Marisa & Johannes
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